Man schrieb das Jahr 2018, als der britische Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Komponist Danny Sorrell die Band The Paradox Twin gründete und damit schon im Bandnamen andeutete, dass es hier nicht um oberflächliche Themen gehen sollte (die Bezeichnung „The Paradox Twin“ geht auf ein Gedankenexperiment zurück, das kein Geringerer als Albert Einstein aus seiner Relativitätstheorie ableitete). Zudem ließ er sich bei seinen Alben – deren gibt es bisher drei – von John Mitchell bei der Produktion und neuerdings auch an Bass und Gitarre unterstützen. Für sein aktuelles Album „A Romance Of Many Dimensions“ holte sich Sorrell noch die Sängerin Sarah Bayley und Graham Brown ans Schlagwerk hinzu, zwei Besetzungen, die sich als Glücksgriff erweisen sollten.

Tracklist
1. Linter (2:24)
2. Operator (5:28)
3. Null The System (6:05)
4. My Main Function (11:01)
5. UI (7:55)
6. If Else (5:16)
7. Inheritence (4:41)
8. Pixel Shader (5:52)
9. Nested Scratch (7:27)
Auf „A Romance Of Many Dimensions“ dreht sich alles um eine fiktive Person, die in der realen Welt völlig ohne Bindung zu anderen Menschen bleibt und so oft wie möglich in die Welt aus Bits und Bytes eintaucht, wo sein Leben einen Sinn hat und ihm eine stumme Krähe zum Freund wird. Diese Kurzbeschreibung der vertonten Handlung deutet schon darauf hin, dass es sich hier nur um ein Konzeptalbum handeln kann. Und richtig: durch Erzählung und Musik läuft ein roter Faden, der kunstvoll gewoben ist.
Stilistisch wird die Musik von The Paradox Twin gemeinhin dem Alternative Progressive Rock zugeordnet. Hieraus entwickelt Danny Sorrell einen musikalischen Erzählfluss, der atmosphärisch-melodische Passagen mit prog-metallischen Ausbrüchen vereint und somit eine breite Hörerschaft im Genre des Progressive Rock ansprechen sollte. Wie schon oben erwähnt, kann die Verpflichtung von Sarah Bayley nur als Glücksfall bezeichnet werden. Ihre angenehme, ausdrucksstarke Stimme harmoniert mit der von Sorrell bemerkenswert gut, sodass man mitunter schon genau hinhören muss, wer dort gerade singt. Dadurch können sich die Beiden die Gesangsparts teilen, ohne dass es zu Qualitätsbrüchen kommt. Die einzelnen Instrumente kommen sehr akzentuiert zur Geltung. So vergleiche man nur den fast schon fragilen Drumeinsatz zu Beginn des 11-Minüters „My Main Function“ mit den kraftvollen Drumeinsätzen in „Operator“ oder „UI“. Düstere Passagen auf diesem Album werden zumeist von Gitarren sowie von der Rhythmus-Fraktion beigesteuert. Dies hat zur Folge, dass selbst harmonische Stücke stets spannungsgeladen sind und somit nicht beliebig klingen. Hier sei insbesondere auf das höchst abwechslungsreiche „Null The System“ verwiesen. Überhaupt liegt hier ein Album vor, das weder über Schwachstellen noch Verschnaufpausen verfügt und mit „Nested Scratch“ ein großartiges Finale bereit hält, in dem John Mitchell einen energiegeladenen Gitarreneinsatz beisteuert.
Im Fazit ist „A Romance Of Many Dimensions“ ein großartig komponiertes Album, das volle Konzentration beim Hören einfordert. Man darf Mastermind Danny Sorrell nur wünschen, das er die aktuelle Besetzung halten und noch weitere Alben dieses Niveaus produzieren kann.
Musiker
Danny Sorrell: Vocals, Guitars, Keyboards
Sarah Bayley: Vocals
Graham Brown: Drums, Percussion
John Mitchell: Bass, Guitar Solo auf „Nested Scratch“
Artwork: Danny Sorrell / Label: White Star Records
