Sonntag, 6. September, 3. Tag
Auch der dritte Tag wurde pünktlich um 18 Uhr von einer italienischen Formation eröffnet und zwar von dem Sextett Limite Acque Sicure (zu Deutsch „Grenze der sicheren Badezone“). Markenzeichen dieser Band ist opulenter Breitwand-Prog typisch italienischer Bauart.

Und so wunderte es auch nicht, dass neben Sänger Andrea Chendi die Sängerin Ambra Bianchi eine opernhafte Stimmlage beisteuerte. Lange Ansagen (auf Italienisch) und ausgedehnte Gitarrenteppiche prägten das Bild. Mitunter fanden Ausflüge ins Progmetallische statt und brachte uns Bianchi die Querflötentöne bei. Alles in allem also ein ordentliches Konzert, das die Zuhörer über die Nichtschwimmerzone hinaus ins tiefe Prog-Wasser führte (daher vielleicht auch der Bandname …).



Dieses Festival hatte bis hierhin ja schon einiges an vorzüglichen Frauenstimmen geboten (und sollte noch weiter bieten), aber was jetzt kam, war einfach nur Güteklasse A am Mikrophon: Kyree Vibrant mit ihrer kanadischen Band Half Past Four wirbelte durch die Gehörgänge des Publikums, dass es eine Pracht war.

So dynamisch wie ihre Stimme, die von Rock-Röhre bis in höchste Höhen einer Kate Bush, ja sogar einer Lene Lovich reichte, so waren auch die Stücke, die Half Past Four an diesem Abend zu Gehör brachte. Die Instrumente großartig ausgesteuert und famos beherrscht von ihrer Männerriege, war hier von ArtRock über ProgMetal bis hin zu Jazzelementen alles zu hören. Man konnte Frau Vibrant und den Musikern den großen Spaß an ihrem Auftritt regelrecht ansehen. Dass sich dieser Spaß auf das Publikum übertrug, konnte man daran erkennen, dass dies der einzige Auftritt an diesen drei Tagen war, bei dem die Zuhörer (ohne Aufforderung von der Bühne!) den Namen der Band skandierten und dies schon während des Konzerts. Mehr Stimmung ging nicht!


Und noch einmal weiblicher Gesang auf diesem Festival: die schwedische Band Paatos war mit der Sängerin Petronella Nettermalm am Mikrophon besetzt. Ihr teilweise repititiver, mit Blueselementen durchsetzter Prog kam beim Publikum gut an.

Dies lag nicht zuletzt am sehr ordentlichen, dominierenden Gitarrenspiel von Peter Nylander. Gesangssprache war Englisch mit einer Ausnahme: die als Kinderlied geschriebene sehr schöne Ballade „Téa“ wurde von Petronella Nettermalm in Schwedisch gesungen. Das Set umfasste einen Streifzug durch Paatos’ Bandgeschichte und endete mit dem kraftvollen 2012er Song „Feel“, der an den Steppenwolf-Klassiker „Born To Be Wild“ erinnerte.



Der letzte Auftritt an diesem Wochenende stellte eine Besonderheit dar, war es doch der einzige, der sich auch beim besten Willen nicht in die Kategorie Progressive Rock fassen ließ. Der US-Amerikaner Todd Rundgren, auch schon 78 Jahre alt. lieferte mit seiner Band straighten Rock amerikanischer Bauart. Auch wenn dieser nicht besonders ausgeklügelt klang, tanzbar war er allemal.



Dieser Auftritt war der Opener des europäischen Teils seiner diesjährigen „Damned If I Do“-Tour, die ihn im Anschluss nach Paris und zu mehreren Konzerten auf die Insel führte. Rundgrens Setlist umfasste an diesem Abend nicht weniger als 26 Stücke, begann mit gediegenem Gitarrenrock („Everybody“) und endete bluesig-besinnlich („Sweeter Memories“). Ein proggigerer Auftritt zum Abschluss wäre vielleicht passender gewesen.
Für das kommende Jahr wurden bereits sieben Band-Verpflichtungen bekannt gegeben, darunter die Kanadier Phideaux und Crown Lands sowie die Briten Freedom To Glide und Karnataka. Es dürfte sich also lohnen, Anfang September 2027 wieder in den Piemont zu kommen!
