Neues aus Israel! Obwohl – so ganz neu ist es doch nicht. Die Gruppe Amaseffer besteht nämlich schon seit 2004 und „When The Lions Leave Their Den (Exodus Part II)“, das am 8. Oktober erscheint, ist ihr zweites Album. Die Band wurde damals in Tel Aviv von dem Drummer Erez Yohanan und dem Gitarristen Yuval Kramer gegründet. Der Name Amaseffer stammt von der hebräischen Bezeichnung „Am Ha’sefer“ ab, die übersetzt „Volk des Buches“ heißt, mit dem im Alten Testament die Israeliten und später die Juden insgesamt bezeichnet wurden.
Dies deutet auf religiöse Themen hin und richtig: das Cover ziert ein Bild, das Moses beim Durchschreiten des geteilten Roten Meeres zeigt. Und so führt das neue Werk eine Trilogie fort, die die Geschichte des Alten Testaments zum Gegenstand hat. Dieser zweite Teil beginnt mit dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten und endet mit dem Empfang der zehn Gebote durch Moses auf dem Berg Sinai. Ob die Release-Jahre der beiden bisherigen Alben 2008 und 2026 darauf hindeuten, dass hier Abgestandenes präsentiert wird oder ob Gutes eben seine Zeit braucht, wird nun im Folgenden beantwortet.

Tracklist
1. When The Lions Leave Their Den (9:14)
2. A Flame Unbidden (6:45)
3. Stardust Harvesters (6:51)
4. A Silvered Mist Of The Sacred Veil (4:07)
5. Lady Of Slaughter (5:53)
6. Pathway To The Promised Land (10:16)
7. Miriam (6:01)
8. Valley Of The Standing Sun And Moon (9:08)
9. Wooden Staff Part II (6:49)
10. Foothills Of Mount Sinai (7:07)
Die Musik von Amaseffer wird gemeinhin als Progressive Metal mit einer Vielzahl von beigemischten Stilen bezeichnet. Da werden Stichworte wie Cinematic, Rock, Heavy Rock, Folk und Middle Eastern Sounds genannt und was auch nach mehrmaligem Hören offensichtlich wird: alles stimmt! Hierfür hat sich Mastermind Erez Yohanan eine vielköpfige Schar von Musikern und Musikerinnen zusammen gestellt, von denen auf „When The Lions Leave Their Den (Exodus Part II)“ insbesondere Sängerin Jessica Mercy und Sänger Lucky Sparxx brillieren.
Und sollten einmal Growls erwünscht sein, so ist dafür extra geschultes Personal an den Mikros eingesetzt, wobei der Beweis geführt wird, dass Growling nicht ausschließlich Männersache ist. Mal mächtig gewaltig („A Flame Unbidden“), mal knackig hart („Lady Of Slaughter“), mal balladenhaft opulent („Stardust Harvesters“) bedienen Armaseffer die gesamte Spannbreite des Prog, wobei orientalische Instrumentierungen immer wieder Farbtupfer beisteuern. Zu letzterem tragen die Oud (sprich „Ud“), eine aus dem Vorderasiatischen stammende Laute, sowie Violinen in nicht geringem Ausmaß bei.
Was aber nicht bedeutet, dass Freunde des Progmetallischen völlig leer ausgehen müssen (insbesondere auf „Pathway To The Prormised Land“). Und so bietet die Musik viel Abwechslung und dies auf hohem Niveau bis hin zum getragen-dramatischen Finale („Foothills Of Mount Sinai“). Insgesamt erinnert mich dieses Projekt von Amaseffer an die Album-Trilogie einer großartigen deutschen Band. Wie hieß sie noch gleich? Muss ich wirklich die sieben Stufen bis zur grünen Tür hinaufgehen, damit mir der Name einfällt?
Im Fazit bietet „When The Lions Leave Their Den (Exodus Part II)“ großes alttestamentarisches Kino für die Ohren. Von mir bekämen Amaseffer hierfür glatt eine Oskar-Nominierung, allerdings verbunden mit der Bitte, für Part III nicht noch einmal 18 Jahre ins Gelobte Land gehen zu lassen.
Musiker
Erez Yohanan: Drums, Percussion, Programming, Vocals
Yadin Moyal: Guitars, Bass
Yuval Kramer: Additional Guitars
Hanan Avramovich: Additional Guitars
Inbal Avni: Piano, Backing Vocals
Sharon Cohen: Oriental Violins, Woodwinds
Gil Tzemach: Oud
Lukky Sparxx: Lead Vocals, Backing Vocals
Jessica Mercy: Lead Vocals, Backing Vocals
Phillip Freeman: Narration
Kobi Farhi: Vocals, Spoken Words
Ela Kuebler: Sekhmet Spoken Words, Growls
Roman Northey: Child Praying
Mats Leven: Backing Vocals
Yotam Avni: Growling
Alex Wazmo: Backing Vocals, Screams
Ravid Avni: Backing Vocals
Shalom Yonahan: Backing Vocals
Cover: Mattias Noren |Label: Eigenvertrieb
