Nachdem Karmamoi 2023 mit „Strings From The Edge Of Sound” ihren neuen Frontmann Valerio Scargi präsentierten, legen sie jetzt mit „Eternal Mistake“ nach – und machen damit keinen Fehler. Renald Mienert sprach mit dem Bandleader Daniele Giovannoni

„Strings From The Edge Of Sound” bestand ja zum großen Teil aus orchestralen Versionen von älteren Karmamoi – Stücken. So konnte sich auf der einen Seite das Publikum mit dem neuen Sänger vertraut machen, aber Valerio sich auch mit eurer Musik. „Eternal Mistake“ enthält nun ausschließlich komplett neues Material.
Ja. Die Songs für das neue Album wurden von Valerio und mir in den letzten zwei Jahren geschrieben. Zehn Songs und drei Intros, es ist ein ziemlich langes Album geworden. Einige der Stücke basierten auf meinen Ideen, die ich dann Valerio schickte, bei anderen war es andersherum. Es gab aber auch Songs, die wir komplett zusammen geschrieben haben, basierend auf einem Gitarrenriff oder Harmonien. Das war eine komplett neue Erfahrung für mich, für alle Alben davor habe ich die Songs komplett alleine geschrieben. Die Technologie hilft uns sehr dabei. Wenn wir an einem Lied arbeiten, passiert das zunächst remote. Aber später treffen wir uns dann. Zum Glück leben Valerio und ich in derselben Stadt, in Mailand. Eigentlich komme ich aus Rom, aber seit 2017 lebe ich hier. Die beiden anderen Bandmitglieder leben in Rom. Valerio spielt ja auch Gitarre und Piano und wir haben die Songs dann den beiden anderen geschickt, dass sie ihre Parts ergänzen konnten.


Auf dem Album geht es um die Beziehung zwischen einem Menschen und einem Androiden. Wie kamt ihr auf diese Idee?
Die Idee stammt von Valerio und mir. Wir lieben beide, was uns die neuen Technologien ermöglichen, gerade in der Musik. Eine Band wie wir, wo die Mitglieder nicht im selben Ort leben, könnte ohne diese keine Alben veröffentlichen. Aber es kann auch zu viel werden. Wohin entwickelt sich die Welt? Zu viele Informationen, zu viel Technologie, weniger menschliche Beziehungen. Und dann hatten wir diese Idee, dass sich in der Zukunft sich ein Mensch vielleicht in einen Androiden verlieben könnte. Welche Probleme können daraus entstehen?
Wenn ihr Fans von neuen Technologien seid, würdet ihr auch mit AI arbeiten?
Überhaupt nicht! Wir haben extra auf der Hülle der CD vermerkt, dass dieses Album ohne AI entstanden ist.
Auf dem Album gibt es mit „We are going Home“ ein Duett, den weiblichen Part übernimmt Susanna Brigatti. Wie kam es dazu?
Sie ist mit uns befreundet, speziell mit Valerio. Er hat früher schon mit ihr zusammen gearbeitet. Tatsächlich hatten wir zunächst vor, dass unsere ehemalige Sängerin Sara Rinaldi hier singen sollte. Wir hielten es für eine schöne Idee, Valerio als neuen Sänger und sie zusammen zu bringen. Aber sie hat einen neuen Job und ist sehr beschäftigt. Also haben wir Susanna gefragt und sie hat sich in den Song verliebt. Vielleicht veröffentliche ich mal ein Video von der ersten Probe mit ihr und Valerio auf Facebook.

Und mit Keyboarder Adam Holzmann und Gitarrist Randy McStine konntet ihr prominente Gäste gewinnen….
Mit Adam Holzman haben wir bereits auf dem Album „Room 101“ zusammen gearbeitet. Ich habe ihm eine Demo von „Hero“ geschickt, noch mit meinem Gesang, und er mochte das Stück. Er spielt ein überragendes Moog-Solo. Ich habe ihn in Mailand getroffen, als er mit Steven Wilson auf Tour war. Randy McStine spielt auf „Nothing But“. Sein Gitarrensolo ist herausragend.
Hand aufs Herz, macht ihr das aus Promotionaspekten oder haben solche Auftritte wirklich einen künstlerischen Hintergrund?
Zu neunzig Prozent sind es musikalische Gründe, weil wir einfach glauben, dass das Spiel dieser Musiker speziell zu diesem Song passt. Als ich das Riff zu „Nothing But“ geschrieben habe, dachte ich an Randy. Zehn Prozent sind Marketing. Die Leute lesen die Namen dieser bekannten Künstler und denken: Wow! Aber im Vordergrund steht immer die Musik.
Siehst du es als Vorteil, dass du jetzt nicht mehr alle Songs alleine schreiben musst? Hat sich eure Musik durch die Zusammenarbeit mit Valerio verbessert?
Deutlich verbessert. In meinem Kopf habe ich eine ziemlich klare Vorstellung von der Musik, die ich schreiben möchte. Songs. Aber durch das Zusammentun von meinen Ideen mit denen von Valerio, haben wir eine gute Formel für unser gemeinsames Arbeiten gefunden. Es geht um Melodien! Valerio und ich lieben Melodien! Wir sind Italiener, O sole mio…. Zunächst brauchen wir eine gute Melodie! Dann entwickelt sich die Musik, etwas schräge Harmonien, ungewöhnliche Rhythmen, wir lieben ja schließlich Prog. Prog bedeutet für uns Freiheit. Wir hatten hier gerade ein Festival in San Remo, das größte des Landes, aber nur Mainstream, Drei-Minuten-Songs, dann ist Schluss. Wenn ich unsere Songs sehe, sieben Minuten, neun Minuten. Ich bevorzuge diese Art von Musik, mit der Freiheit, mich musikalisch selbst auszudrücken.
Viele Progmusiker tanzen ja musikalisch auf vielen Hochzeiten. Wie ist das bei dir?
Ich mache nur meine eigene Musik. Ich arbeite seit zwei Jahren an einem Soloalbum, aber Karmamoi hat den Vorrang. Ich liebe Ennio Morricone und schreibe Musik in dessen Stil, also etwas komplett anders als Prog. Sechs Songs sind fertig, und jetzt kann ich da weitermachen. Vielleicht noch vier Tracks, und dann kann ich es veröffentlichen.

Man hat euch ja auch schon in Deutschland live sehen können. Wie sieht es mit Konzertaktivitäten aktuell aus?
Das ist ein eher schmerzhaftes Thema. Ich kontaktiere viele Locations, aber es ist schwierig, es gibt zu viele gute Bands und nur ein kleines Publikum. Aber die Bühne ist der Ort, an dem wir uns wohl fühlen. Wir lieben es, neue Songs zu schreiben und aufzunehmen, aber wenn ein Album fertig ist, dann wollen wir es live spielen.
Viel Erfolg!
