Interview: Solstice – Mehr als nur Musik

Solstice sind so aktiv wie lange nicht. Nachdem die Band aus dem UK ihre „Sia“ – Trilogie abgeschlossen haben, folgt nun mit „Clann: The Stables Gathering“ ein Livealbum und faktisch zeitgleich dazu erscheint auch das Fotobuch „A New Day: The Sia Trilogy in Photographs“ von Howard Rankins. Mit ihm und dem Bandleader Andy Glass sprach Renald Mienert

Wie kommt es zu dieser parallelen Veröffentlichung?

Andy: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Buch und dem aktuellen Livealbum. Das Livealbum enthält zum größten Teil Aufnahmen aus der Periode, die auch das Buch abdeckt, also der Sea-Trilogy. Und wir werden auch ein entsprechendes Bundle anbieten. Howard hat ja auch die Fotos für das Artwork gemacht, es gibt also viele Überschneidungen. Aber die Ursprungsidee Idee zu einem Buch hatte tatsächlich hatte unser Drummer Pete Hemsley.

Howard: Ich bin seit vielen Jahren ein Prog Fan, seit den Siebzigern. Aber aus irgendwelchen Gründen habe ich Solstice nie live gesehen.  Aber es gibt hier das Cambridge Rock Festival und dort habe ich Band dann 2022 gesehen und ich war wie gebannt von ihr. Sie hatten so viel Spaß und Energie beim Spielen, und da waren natürlich auch diese wunderbaren Künstlerinnen.  Meine Kamera verliebte sich in die Band und seither habe ich mich bemüht, so viele Konzerte von Solstice zu besuchen wie möglich. Seit zehn, fünfzehn Jahre mache ich Fotos auf Gigs, hier treffen sich meine beiden Leidenschaften, Musik und Fotographie. Nach diesem Festival in Cambridge schickte ich Andy die Fotos, sie gefielen ihm und er postete sie und so begann die Zusammenarbeit. Vor achtzehn Monaten haben wir zum ersten Mal über ein Buch gesprochen, ohne schon konkret zu werden. Doch im letzten Jahr griffen wir das Thema wieder auf. Ich hatte mittlerweile über 1000 Fotos der Band.

Andy Glass

Und wie kam genau der Kontakt zwischen euch zustande?

Howard: Ich müsste mal genau nachschauen, aber ich bin ziemlich sicher, es war über Facebook. Facebook mag viele Schwächen haben, aber es bietet eine gute Möglichkeit für Musiker und Fans um zu kommunizieren. Und es hat natürlich auch diese visuelle Komponente, was für mich wichtig ist.

Aber in dem Buch sind nicht nur Fotos enthalten!

Andy: Wir haben ja glücklicherweise auch unter den etablierten Musikern in der Szene Fans. Gregory Spawton von Big Big Train hat das Vorwort geschrieben, er ist ein großer Unterstützer der Band. Das gleiche gilt für Gerry Ewing, der Herausgeber des Prog-Magazins und den Autor Martin Keilty, er war um 2021 sehr eng mit der Band verbunden. Und auch der Dichter Oz Hardwick hat einen Beitrag geschrieben. Und auch Künstler wie Steven Wilson oder Steve Rothery äußern sich zur Band. Das Buch ist wirklich mehr als nur eine Sammlung von Fotos.   

Howard: Ich begann ja mit den Fotos etwa zu der Zeit, als Jesse zur Band stieß. Das war ja wie eine Art Widergeburt. Und es war eben dann die Periode der Sea – Trilogie, darum sind auch die drei Cover der Alben im Buch zu finden. Ich finde das besser als nur Fotos, man macht beim Betrachten eine Art Pause.

Howard, warum ist es etwas Besonderes für dich, gerade Solstice zu fotografieren?

Howard:  Aber da ist diese Energie, wenn zum Beispiel Andy spielt. Und auch wenn er nicht spielt, da ist diese Freude in seinen Augen, diese Körpersprache. Und das gilt für die gesamte Band. Es ist etwas Besonderes an Solstice. Ich fotografiere auch viele andere Bands, aber ich habe das Gefühl, meine besten Ergebnisse erziele ich mit dieser Gruppe von Menschen, und das will schon was heißen. Und wir haben ja nicht nur Fotos auf der Bühne gemacht, sondern auch einige Shootings.

Bist du eigentlich ein professioneller Fotograf?

Howard: Ich habe meine ursprüngliche Karriere beendet. Was ich jetzt mache, bereitet mir einfach nur Freude. Sagen wir, ich bin semi-professionell.

Andy: Und du machst ja nicht nur Fotos von Bands. Du machst auch so viel Wild Life Fotografie von allen möglichen Plätzen auf der ganzen Welt. Und du wirst für die Qualität deiner Arbeit geschätzt. Wenn „Professional“ bedeutet, dass man für seine Arbeit bezahlt wird, dann bin ich keiner. Aber das bedeutet ja nicht, dass die Arbeit die man macht nicht trotzdem fantastisch ist.

Howard: Ich mache viele Fotos auf Safaris oder von Vögeln aber auch Landschaften.  Und ich habe auch Buch über abstrakte Fotografie veröffentlicht. Aber wenn es um die Anzahl der Fotos geht, überwiegen die Konzerte. Ich finde, es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Konzertfotos und Wild-Life-Fotos. Du musst den Moment festhalten. Du musst bereitsein für den Augenblick, wenn der Leopard vom Baum springt. Bei den Bands mag ich besonders die Fotos, wo die einzelnen Mitglieder interagieren. Da ist eine Kameradschaft zwischen ihnen.

pic: (C) Howard Rankin

Wo kann man das Buch kaufen?

Andy: Wir haben zunächst nur eine Auflage von zweihundert gedruckt. Die ist dann online verfügbar. Theoretisch natürlich für jeden, aber natürlich können die Versandkosten ein Problem sein. Unser CD-Hersteller kommt aus Italien, so sind zumindest hier keine Extrakosten entstehen. Wir haben auch einen extra Beutel für das Buch.

Howard: Und da würde auch eine Platte reinpassen,  das Buch hat das gleiche Format.

Sind weitere Fotobücher geplant?

Howard: Im Augenblick nicht. Es wäre schön, die zweihundert Exemplare zu verkaufen und dann eine zweite Auflage zu machen. Vielleicht veröffentlichen ja Solstice eine zweite Trilogie, dann machen wir ein weiteres Buch danach!

Wer hat entschieden, welche Bilder in das Buch kommen?

Howard: Das war ich. Bei einigen der Bilder am Anfang des Buches, wo ich die Bandmitglieder vorstelle, gab es leichte Änderungen, aber nichts Dramatisches.

Andy: Es ist Howards Buch. Er hat es uns gezeigt und gefragt ob uns etwas nicht gefallen würde, aber wir waren mit fast allem einverstanden.

Gab es auch Solstice – Gig, wo du mit deinen Fotos nicht zufrieden warst?

Howard: Ich mache ja sehr viele Fotos und nicht alle gelingen. Aber es gab keinen Gig von dem ich kam und nichts hatte, mit dem ich arbeiten konnte. Ich versuche dann ja oft, ein Foto zu optimieren – mal konvertiere ich es zu Schwarz – Weiß, ändere die Farbbalance. Ich verwende viel Zeit für die Nachbearbeitung. Nach einem Konzert lade ich die Fotos auf meinen Hauptcomputer oder Laptop und treffe eine erste Auswahl an Fotos, die ich dann Andy schicke, so dass er sie auf Social Media verwenden kann. Aber später editiere ich das gesamte Set.

Was hat es mit dieser Gruppe von Leuten auf sich, die ihr „Guardians“ nennt?

Andy: Unsere Band würde nicht existieren ohne sie, nennen, also ohne Abonnenten. Ohne diesen finanziellen Support wäre es einfach nicht möglich. Ich habe gerade die Flüge für ein Konzert nach Holland gebucht, und der Flug allein kostet mehr als unsere Gage. Aber darüber hinaus haben sie auch so viele Fähigkeiten, die sie für die Band nutzen. In Howards Fall ist es natürlich die Fotografie. Ein anderer macht den Merchandise. Ich habe früher versucht das zu machen, aber das geht nicht. Oder Richard Swan von Wild Thyme Records, einem kleinen Plattenlabel der uns bei unseren letzten Vinyl-Releases unterstützte. Das passiert alles aus Liebe zur Band und nicht wegen irgendwelcher kommerzieller Karrieren.

Wenn ihr schon nach Holland fliegt, wie sieht es dann mit dem Rest Europas aus und natürlich mit Deutschland?

Andy: In Frankreich haben wir versuch beim Crescendo Festival aufzutreten, aber da gab es einen Terminkonflikt mit einem Festival hier im UK. Vielleicht im nächsten Jahr. Ich würde gerne mehr in Europa spielen, gerade auch in Deutschland. Ich weiß, dass es dort ein gutes Publikum für uns gibt, ich habe dort mit Jethro Tull gespielt und mit Bill Withers. Aber es geht nicht ohne die entsprechenden Kontakte, ohne einen Promoter.

Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben!

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