Hinter dem Bandnamen Aufklärung vermutet man zunächst zwangsläufig eine deutsche Formation. Spätestens wenn der CD-Player vier Tracks mit einer Gesamtspielzeit von exakt 44:44 anzeigt, könnte man sogar vermuten, hier seien ein paar Witzbolde am Werk. Doch weit gefehlt: Hinter Aufklärung verbergen sich Italiener – und warum sollten die keinen deutschen Namen wählen? Allein das sorgt schon für Aufmerksamkeit.
Richtig spannend wird es beim Blick auf die Besetzungsliste. Dort taucht ein gewisser Grosso auf, der sich im Verlauf als der bereits verloren geglaubte Sänger von ASGARD entpuppt. Zwar bemüht er sich, stilistisch nicht zur Kopie seiner selbst zu werden, doch sein charakteristisches Heben und Senken der Stimme sowie die typischen Vokaldehnungen lassen sich kaum verbergen. Und letztlich wäre es auch schade, genau diese Wiedererkennbarkeit zu verlieren.

Tracklist
1. Red Shift (13:03)
2. Jetho Van Hall (10:09)
3. Il Funeralle Della Luna (10:38)
4. Eclipse / Echo´s Wave (10:50)
Musikalisch könnte das Werk durchaus aus dem ASGARD-Kosmos stammen. Wie bei deren stärksten Veröffentlichungen wird Abwechslungsreichtum großgeschrieben – ganz im Geiste von Imago Mundi (und glücklicherweise weit entfernt von Esoteric Poems). Sturm, Regen, Schritte und Gewitter, unterlegt von pulsierenden Heartbeat-Drums, eröffnen den Opener „Red Shift“. Es folgt ein stark keyboarddominierter Einstieg mit knackigen Bass- und Schlagzeugfiguren. Stellenweise fühlt man sich an Devil Doll erinnert – allerdings ohne deren gewöhnungsbedürftigen Gesang – oder auch an Golgatha, jedoch deutlich ausgefeilter.
Akustische Gitarren und Flöten wechseln sich mit schweren, düsteren Keyboardflächen und Emerson-artigen Fanfaren ab, die förmlich Druck aufbauen. Spätestens ab Minute 6:10 ist Kopfhörerpflicht angesagt. Besonders das instrumentale Mittelstück zwischen 5:40 und 9:40 lässt aufhorchen: Ein klassisches Orgelsolo, wie man es lange nicht mehr gehört hat – zuletzt vielleicht von Clive Nolan beim Intro zu „Wall of Babylon“. Nach einem erneuten akustischen Zwischenspiel zieht die Band ab 11:50 noch einmal kräftig an.
Auch „Jetho van Hall“ und „Silence in the Dark“ stehen dem Opener in nichts nach. Überwiegend getragen angelegt, werden die ruhigen Passagen immer wieder von kurzen, wuchtigen Bombast-Ausbrüchen durchbrochen. „Eclipse / Echo Wave“ beginnt mit einem langen Keyboardintro irgendwo zwischen „Watcher of the Skies“ und „In the Wake of Poseidon“. Erst nach sechs Minuten setzt der Gesang ein, der gegen Ende sogar Anklänge an Peter Gabriel erkennen lässt.
Produktionstechnisch ist das Album makellos umgesetzt – fast selbstverständlich für eine italienische Produktion dieser Machart. De’La Tempesta….L’Oscuro Piacere erweist sich damit als überzeugender, düster-bombastischer Hammer in Form des italienischen Stiefels. Oder vielleicht doch umgekehrt?
Musiker
Fabio Guadalupi / Acoustic, Classic & Electric Guitars
Michele Martello / Acoustic, Classic & Electric Guitars
Marco Mancarella / Keyboards
Luciano Rubini / Bass
Massimo Mignini / Drums
Gäste
Francesco „Chicco“ Grosso / Lead Vocals
Edoardo Lecci / Concert Flute
Artwork: Stefano Gasparini
CD Pick Up Records – PK 1909
